Die Masuren oder Warum Schlaf überbewertet wird!?

Einmal im Jahr für ein paar Tage weg, in einer Konstellation, in der wir sonst nicht zusammen kommen, denn Ländergrenzen und Alltag liegen nicht unbedingt nah beieinander.  Die drei Mädels und ich – unterschiedlicher können wir Vier nicht sein, besser können wir uns aber auch nicht ergänzen. Das wurde in Amsterdam schon geprobt, in der Toskana vertieft und nun, in Polen wieder bestätigt.

Polen bedeutet für die drei anderen Mädels Heimat und Geschichte. Für mich mehr Geschichte als alles andere. Der Kommunismus, die Erzählungen vom Krieg meiner Großeltern und die gesammelten Vorurteile sollten mit dieser Reise mit Bildern ausgefüllt, nachvollziehbar und revidiert werden.

Los ging die Fahrt von Dortmund über Hamm, mit einem Zwischenstopp in Hameln (um einen kleinen Patienten und Mitreisenden nachuntersuchen zu lassen. Wir kamen gut mit kleinen Stopps durch, die Bahn war einigermaßen frei…. bis…ja bis:

Der vierbeinige Freund, der mittlerweile auf meinem Schoß Platz nahm, gab ungewöhnliche Geräusche von sich, jeder Atemzug fiel ihm schwer. Dazu die Buckelpiste der polnischen Landstraßen, all das tat ihm nicht unbedingt gut. Mittlerweile steuerten wir auf Mitternacht zu und Fuchs und Igel sagten sich im Nebel tatsächlich „Hallo“ – vor unserem Auto, in dem wir natürlich immer schneller werden wollten, um endlich ans Ziel zu gelangen. Bis….ja bis….die Warnleuchte anging: Ein frisch TÜV-geprüftes, junges deutsches Auto verlangte, dass wir sofort den DPF-Filter reinigen lassen. Nachts um 12, auf polnischen Landstraßen und nach unserem Entschluss, eine Klinik für den Vierbeiner in Danzig zu aufzusuchen. Nö, meinte unser Auto und drosselte den Motor. Freibrennen, jaja, alle gut gemeinten telefonischen Tipps halfen nix. Immer wieder rechts ran, Motor aus, Hund beruhigen, Füchse verjagen und weiterfahren. Nachts um drei kamen wir zur Klinik – noch nie war ich froher, ein grünes Kreuz an einem beleuchteten Gebäude zu sehen. Der Hund wurde versorgt und unsere Fahrt ging um 1/1/2 Stunden weiter an die Küste.

Dort wartete nach Schotterpisten,  Spritzen für den kleinen Patienten mit großen Augen, übermüdeten Kaffeejunkies und plattgesessener Rückenmuskulatur, ein heißer Tee und Baisertorte sowie unsere Vierte im Bunde auf uns. Ein schnuckeliges Häuschen fanden wir vor – im Sonnenaufgang – gegen 5.30 Uhr.

Was gibt es Schöneres, als Freunde mit ungeheurer Lebensfreude und … vier Ferienhäusern am Meer?  Richtig, Freunde mit ungeheurer Lebensfreude. Die vier Häuschen sind allerdings auch nicht zu verachten. Wer eine Reise an die polnische See plant, vielleicht kleine Kinder hat und Natur liebt, sollte hier unbedingt mal schauen. Den Kontakt stelle ich gerne her.

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Und dann der nächste Tag, bzw. drei Stunden später: Der Zustand des kleinen Patienten wurde auf einmal besorgniserregend, die beiden Ortskundigsten machten sich sofort wieder auf den Weg in die Tierklinik – mal eben – 1/1/2 Stunden Fahrt, eine Strecke. An Schlaf war für die restlichen Zwei, mich inbegriffen, nicht mehr zu denken. Zudem verabschiedete sich Nummer Drei kurz danach für die Autowerkstatt – da war ja noch was. Das ging zum Glück und mit Familienhilfe schnell und wir konnten an die Luft – das war bitter nötig. 15 Minuten Fußlauf durch den Wald zum Strand – noch Fragen???

(Ein Anruf aus Danzig, der kleine Patient wurde stationär aufgenommen, die zwei Mädels mußten den Schock der Fahrt kurz verdauen, die leider eine Vorlage für ein Drehbuch des Emergency-Room abgegeben hätte. Details erspare ich an dieser Stelle.)

Da saßen wir Zwei nun – benebelt von der kurzen Nacht, benommen von den Ereignissen der letzten Stunden, ungläubig, niemanden sonst zu sehen und von der satten Sonne verwöhnt. Wären wir ausgeruhter und nicht in Sorge um den Rest, hätten wir wahrscheinlich geschrien – vor Glück.

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Das Kleeblatt sollte am frühen Abend wieder vor Ort vereint sein und was tut man in Polen, wenn man Sorgen hat? Man geht feiern. Ernsthaft. Auch mit müden Knochen, Tränensäcken bis unter die Achselhöhle und wenig Lust auf Auto und lange Strecke. Kurz an den Spiegel, wieder Kaffee, um den Koffeinspiegel konstant zu halten und los – ab in die Salsa-Bar TAN nach Zoppot, dem lebendigen Badeort in der Danziger Bucht. Sorry, die Bilder hier entstanden nach Mitternacht ;).

Der nächste Morgen, 7.30 Uhr, gääääääääähn. Geräusche aus dem unteren Wohnzimmer, Kaffeeduft, Gibbeln und Räumerei: Was macht man an der polnischen Küste, nach durchzechter Nacht (der zweiten!!)? Man geht Laufen…klar. Mit Freunden mit diesem Vitamin B, den Ferienhäusern, der wahnsinnigen Lebensfreude (Betonung liegt auf wahnsinnig), die gerne Eisschwimmen geht…unterliegt man dem Gruppenzwang: Ab bei 8 Grad Wassertemperatur ins Wasser – Schnappatmung, wildes Springen, Adrenalin pur. Man muss ja mitreden können, bei der abendlichen Abschlussveranstaltung der Eisschwimmer. Dann schnell heim laufen, heiß duschen und versuchen, das adrenalinische Dauergrinsen aus dem Gesicht zu bekommen.

Besondere Geschichten gibt es noch zu den Schwanzflossen, 2 Feuerwerkskörpern, einem Bügeleisen, einem Nonnenkostüm, heimlichen Vorlieben und roten Schuhen zu erzählen, alles Ü 18 und privat bei mir zu erfragen…

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Die Zwischenzeit bis zum Abend erfüllen wir mit Ausruhen – haha – nein, entlang der Küste geht es zu fantastischem Fisch, Sightseeing, einer alten Glasbläserei mit köstlichem Kaffee und neuen Stränden.

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Ein „Korb“ muss noch gefüllt werden, man bringt ja schließlich zur Party etwas mit. Wein, Knabberei und was sich sonst noch so vertilgen lässt. Kurz frischmachen und dann lande ich in den 80ger Jahren, in einer Truppe, die mich so herzlich aufnimmt, als hätten wir gestern eine Eisdecke auf der Ostsee gemeinsam von unten gesehen. Es ist 19 Uhr und die Tanzfläche voll – keiner steht an der Bar oder in der Raucherecke – Disco Polo ist angesagt. Ein Wahnsinnsbuffet mit selbstgemachten Pierogi, Cremes, Dips, Salaten und Co, fantastischer Wein und lauter interessierte Schwimmer, die mit 3 deutschen Worten ganz viel Herzlichkeit rüber bringen. Vielen Dank für diese Erfahrung. Es wird wieder nach Mitternacht, meine Augen sind mittlerweile nur noch Schlitze.

(Der Patient macht mittlerweile gute Fortschritte in der Klinik und ist dort bestens aufgehoben).

Es wird Sonntag – wir schlafen bis 9 Uhr (hurra). Wir haben keinen goßen Plan, besuchen Familie, sind zum Essen eingeladen, sprechen über die Generationen, das Leben in Deutschland und Polen, essen Gewürzgurken und genießen die Ruhe. Der Abend wird in der Hütte noch gesellig – vom Abend keine Bilder, weil nach Mitternacht.

Gdansk  – DANZIG, Du wunderbare, spannende Stadt

Nach der kurzen, ersten Begegnung im Halbschlaf nach der langen Anreise hast Du mich eingefangen- ungefähr so, wie Berlin oder Hamburg. Und ja, Danzig, du hast von beiden Städten etwas:

Ich liebe Deine Altstadt, die Farben der schlanken Häuser, die Live-Musik aus allen Ecken, die tollen Restaurants und versteckten Cafés und Hotspots.

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Eins der Nationalgerichte ist Pierogi, die gefüllten Teigtaschen. Und wer sie in aller Form und Variantenbreite probieren möchte, dem empfehle ich das MANDU. Das junge Restaurant mit lockerem Service und Großstadt-Ambiente verfügt auch über englische Karten (ja, mit der polnischen Sprache hab ich es leider nicht so. Ich war ausnahmsweise komplett aufgeschmissen in Wort und Schrift). Dazu gerne einen „Kompott“, wie die hausgemachte Limo in Polen heißt – nicht selten sind noch eingelegte Früchte drin. Zum Abschluss Baisertorte oder Schokokuchen- falls noch was reinpassen sollte, falls nicht, einfach am Nachbartisch probieren…man ist international in Danzig. Englisch ist kein Problem. A propos, es soll hier viele englische Second-Hand-Läden geben…Shopping-Erfolge garantiert.

Auf der Rückfahrt zum letzten Abend unserer Erlebnisreise durften wir dann den Patienten wieder mitnehmen, etwas lädiert (wie wir), aber wohlauf.

Ich kann jedem raten, diese Reise anzugehen – die Küche ist deftig, die Menschen herzlich und haben viel zu erzählen, sind stolz auf ihr Land, kennen die Makel und sind gewillt, vieles zu verbessern – so auch die Strecke zurück nach Berlin – kaum Baustellen und gute Straßenverhältnisse.

Mädels, ich danke Euch für die Schlitzaugen, die Lachfalten, die Lachmuskeln, die Tränensäcke, die Erlebnisse, eure Überredungskunst, die Freundschaft und bin gespannt, wohin es uns bald verschlägt…kochanie.

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Amsterdam oder Vorsicht, mal ein Reiseblog!

Hier ein etwas ausführlicher Bericht über meinen Amsterdam-Aufenthalt. Ich bin im Nachhinein oft auf meine Instagram-Bilder angesprochen worden, die wohl auf besondere Art rübergebracht haben, wieviel Spaß ich hatte.

Es gab einen 40. Geburtstag im Freundeskreis. Einen besonderen 40. Und vier Frauen, die nicht unterschiedlicher sein können. Alle mit Geschichten, die nicht unterschiedlicher sein können. Und eine davon hatte einen Wunsch, für einige Tage in dieser Konstellation zu verreisen. Es ging mit dem Reisebus nach Amsterdam, schlussendlich aus dem Grund, dass ein Tagesticket in der Amsterdamer Tiefgarage soviel gekostet hätte, wie unsere komplette Fahrt nach Amsterdam und zurück.

Entgegen aller Gerüchte war unsere Fahrt mit dem FlixBus bequem und unkompliziert und mit 3 Stunden 25 Minuten die kürzeste Anfahrt, die ich je hatte. Vielleicht lag es auch an unserem Busfahrer „Alfred“, der uns die Wartezeit verkürzte, weil er mit seinen 65 Jahren einige witzige Geschichten als Fernfahrer auf Lager hatte.

Angekommen in Amsterdam hat mich die unglaubliche Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Niederländer umgehauen. Wir brauchten eine öffentliche Verbindung, die uns zu unserem Hotel brachte und die war aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten (Bus, Tram, Zug, Taxi) nicht so einfach zu finden. Ob Shoppersonal oder Reisende, jeder war sofort offen, uns weiterzuhelfen.

Dann war nach 25 Minuten das Hotel erreicht. Nun, ich gebe hier keine Empfehlung ab, denn: Das Hotel wurde umgebaut (null Infos dazu im Internet), die Bilder von den Zimmern, der Lobby, der Terrasse und des Frühstücksraums wurden nicht vor Ort aufgenommen. Was uns erwartete, war eine Riesenbaustelle, ein Zimmer ohne Ablagemöglichkeit, Kleiderbügel oder Handtücher, aber es war zumindest sauber. Die Rezeption war zumindest so peinlich berührt, das Problem sofort zu mindern: Es gab für uns Frühstück gratis, eine Kaffeeflat der Cimbali-Maschine und Vergünstigungen beim Fahrradverleih. Das Kleiderbügel und Handtuchproblem war schnell gelöst und wir hatten eh nicht vor, unter die Hoteltester zu gehen.

Wir haben uns Räder gemietet, denn hat man sich einmal der Fahrweise auf Amsterdams Straßen angepasst, gibt es kein flexibleres Fahrzeug. Es sei denn, man hat ein Elektrokart. Mit Leihrädern sollte man tunlichst an gekennzeichneten  Fahrradständern parken und dann absteigen, wenn man kein anderer Fahrradfahrer fährt. Die Leih“Fiets“ werden gerne geklaut und Touris von der Radpolizei angehalten. Fahrradwege sind super ausgebaut, allerdings ist nicht immer klar, wo man fahren darf und wo nicht.

Die Lage des Hotels war wiederum unbezahlbar: Direkt gegenüber lag der Sarphatipark. Genutzt von Studenten, Sportlern, Familien und Angestellten in der Mittagspause. Mit der Decke und dem Flatratekaffee ging es mit dem Frühstück direkt raus aus dem Baustellengetöse, hinein in die grüne Oase mit Anbindung. Ganz schnell war man mittendrin im Getümmel, lieh sich das Taschenmesser von der Nachbarsdecke oder den Korkenzieher am Abend. Wir waren kaum zum Essen in diversen Restaurants, die Amsterdam zu bieten hat. Die Stimmung bei 30 Grad, Wassergeplätscher, Chill-Out-Musik und netten Leuten im Park war einfach netter. Sonst um die Ecke alles andere, was man so braucht: Weinbars, Drogeriemärkte, gemütliche kleine Restaurants, Tramstationen, witzige Pop-Up-Stores und Boutiquen.

Im Vorfeld hatten wir eine Grachtenfahrt online gebucht. Die empfehle ich zur Golden-Hour, zum Sonnenuntergang zu machen. Das Licht auf dem Wasser und die gedeckten Tische der Anwohner an den Grachten sind einfach wunderschön. Zudem hatte wir die Fahrt mit Cocktail gebucht, also der Rosé schmeckte super und zu viert lohnt sich die Bestellung einer Flasche als Nachtisch allemal.

Im Anschluss gab es Fritjes und Frikandel und den angesagtesten Kulturclub der Stadt, das Paradiso. Als ob man es geahnt hätte, gab es für uns Vier an diesem Abend lateinamerikanische Musik und buntes Publikum. Das Paradiso war eine Kirche im 18. Jahrhundert und neben Nirvana, den Stones und den Red Hot Chili Peppers spielt zB. aktuell Beth Ditto im Oktober.

Mal so am Rande: Natürlich gibt es immer noch Coffee-Shops in Amsterdam und natürlich weht einem immer noch der Kräuterduft unter der Nase, wenn man daran vorbei fährt. Aber zB. im Paradiso wurde man strengstens kontrolliert, so dass man nicht passiv mitrauchen musste. Und alles andere kann man nach Lust und Laune einfach vermeiden.

Zwei Seitenstraßen von unserem Hotel war jeden Tag bis 17 Uhr der Albert Cuyp Markt geöffnet. Blumen- und Fischstände, dazwischen Second-Hand-Geschäfte, Cafés, Interieur und frische Säfte. Polnisches Porzellan, Küchenschnick-Schnack, Schmuck und Bettdecken im Angebot, kurzum bei schönem Wetter sicherlich ein gutes Ziel. Der Bloemenmarkt im Stadtzentrum ist eher typisches Touriziel und hat mich nicht wirklich gekriegt.

Absolutes Highlight war ein Tag am Konservatorium von Amsterdam, in der Nähe vom Hauptbahnhof. Bei traumhaften Wetter haben wir die Dachterrasse des NEMO Science Centers aufgesucht. Die Architektur in Amsterdam wird nicht langweilig. Neben den alten Grachtenhäusern baut sich das Nemo wie ein riesiges Schiff im Hafen auf. Die Dachterasse ist stufenförmig angelegt, so dass man hier einen weitreichenden Ausblick hat. Mit Kindern ein tolles Ziel, um sich von den Anstrengungen einer Stadt zu erholen und auch bei schlechtem Wetter gibt es viel zu entdecken. Wir, wir konnten einfach die Seele baumeln lassen und den Ausblick auf das Wasser genießen.

Meine Lieblingskaffeebar in Amsterdam ist ab jetzt das Coffee&Coconuts. Hier kann man relaxed einfach arbeiten, lesen, eine Kleinigkeit essen oder die Einrichtung bewundern, die mich umgehauen hat. Junge Designer und Künstler stellen regelmäßig aus, witzige Details gibt es überall zu entdecken und das Essen ist grandios cross-over. Mal abgesehen davon, dass man das Personal abends im Paradiso wieder trifft. 

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Coffee&Coconut

Wir haben uns überwiegend selbst versorgt, was sich einfach so ergeben hat. Einen Supermarkt zu finden ist allerdings nicht leicht, denn die sind von außen schlecht erkennbar. Bei uns würde man hinter zwei zugeklebten Schaufenstern keinen großen REAL-Markt vermuten sondern eher einen kleinen Handyladen. Auch hier gilt: fragen. Die nettesten Leute haben wir auf der Straße, in den Cafés, in der Tram, an der Rezeption, im Park, auf dem Markt, im Boot und an Land getroffen. Also überall.

Und würde man mich heute fragen: „Kommst du mit nach Amsterdam?“, würde ich dafür alles stehen und liegen lassen. Amsterdam, ich komme bald wieder. Bis dahin: „Bye vor nu!“.

 

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