Möhrengemüse oder Soulfood à la „Omma Sofie“

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Es gibt Gerichte, die man in keinem Kochbuch findet, da man sie oft unterschätzt. Der Aufwand ist gering, die Zutaten preiswert und nunja, eher schlicht. Das Rezept hier gehört allerdings in jedes Kochbuch, wenn auch nur in das imaginäre Familienkochbuch.

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Meine Oma hatte einen Nutzgarten, der Trend geht ja mittlerweile wieder da hin, den Aufwand wollte unsere Generation aber nicht übertreiben und hat das Stück lieber mit gewaschenem Kiesel und schicker ungenutzter Sitzgarnitur bedeckt.

Oft habe ich sie im Garten abgefangen, als ich aus der Schule kam und sie im Kittel mit den Gartenschuhen auf den Holzbohlen stand und sich die erdigen Finger (nix Einmalhandschuhe) am Blumenmuster abgerieben hat, um mich zu empfangen. Oma hat für uns Kinder immer gekocht, da meine Eltern beide berufstätig waren.

Wenn es schnell gehen musste, gab es halt das, was der Garten hergab. Neben Frankfurter Grüner Sosse und Gemüsesuppe (anderes Thema) eben auch den Möhreneintopf. Jetzt im Winter haben wir die Kartoffeln auch aus dem „Kartoffel-Keller“ unter der Treppe geholt. Dort roch es erdig und ich mochte das Gefühl der trockenen Erde an den Händen auch nicht so, wenn ich die zum teil schon gekeimten Erdlinge aus der mit Zeitungspapier ausgelegten Weinkiste holen musste. Für das Ergebnis allerdings, hat sich das in jedem Fall gelohnt.

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Omma Sofies Möhrengemüse:

  • Kartoffeln (vorwiegend festkochend) , Möhren mit Grün
  • Milch, Butter
  • Salz, Pfeffer und Muskatnuss

Das Gemüse wurde geschrubbt, die Kartoffeln geschält und die Keimlinge mit dem „Hümmelchen“ herausgeschabt. Oma hatte sich währenddessen die Haare einigermaßen gelegt und die Finger geschrubbt, die allerdings immer die Spuren der Arbeit zeigten. Nun kam der Topf auf den weißen Herd. Hinein die Möhren- und Kartoffelstücke, Salz dazu, Deckel drauf und warten. In dieser Zeit das Grün der Möhren kräftig gewaschen und kleingehackt. Die Beringsche Faustregel für den perfekten Eintopf lautet: Pro Kartoffel eine Möhre, sollet es sich nicht um Mammutkartoffeln handeln.

Mit dem Hümmelchen wird in die Kartoffel gepikst, bei wenig Widerstand das Kochwasser bis auf einen kleinen Rest abgeschüttet. Wem die Stärke im Wasser nichts ausmacht, kann die Gemüsebrühe gleich in einer Brühe verwerten.

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Die Stücke leicht stampfen und oder mit einer Gabel zerkleinern. Etwas Milch zugeben, „gute“ Butter dazu, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Jetzt das Grün dazu. Leicht mitgegart, schmeckt das Grün wie Petersilie. Roh im Salat hat es Möhrengeschmack (ach was).

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Omma Sofie geistert heute besonders durch meinen Kopf. Leider sind die geerbten Schmuckstücke bei einem Einbruch geklaut worden. Durch kein Geld der Welt kann man sie ersetzen. Die größten Juwelen kann zum Glück niemand klauen, sie traben durch meinen Kopf und stehen zwischen den Zeilen.

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Und bald probiere ich den Splitterkuchen aus. Versprochen. Einige Rezepte stehen nämlich passenderweise im „Schichtbüchlein“. Dem Pott sei Dank.

Guten Hunger!

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Selbstgemachte Schokotafel oder der geschmolzene Nikolaus

Jawohl, ich oute mich – Schokonikoläuse mag ich nicht so gerne essen. Es ist schwer, die Folie abzubekommen, da immer ein Minifussel an der dünnen Schoki kleben bleibt. Wie isst man diesen Mann, ohne Sauerei? Es bröckelt, schmiert an den Händen, Krümmel fallen auf die Beine und man darf erschrocken aufspringen und sich den Flecken auswaschen.

Ok, genug der Dramatik. Ich habe etwas Schokolade übrig gehabt, die ich in der Form nicht lecker fand. Schokolade muss immer hauchdünn und mundgerecht sein. Am liebsten mag ich Schokoladenbruch.melsbonheur_schoki3

Dazu einfach die Schokolade über dem Wasserbad schmelzen und dabei gut rühren. Zuerst die Zartbitter-Schokolade auf einem Backblech mit ausgelegtem Backpapier verteilen und glatt streichen. Danach etwas Vollmilch-Schokolade schmelzen und dünn darüber gießen.

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Nun belegen. Lavendelblüten, gestoßene Nüsse, Kokosflocken oder wie im Bild, unterschiedliche Körner darüber streuen. Auf sehr kühlen Untergrund, möglichst Stein, auskühlen lassen.Melsbonheur_schoki 4

Guten Appetit – Hohoho!

Lieber Besuch oder Erbsen-Minze-Kanapee

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Man bekommt Besuch von lieben Gästen, eigentlich nur für die Kaffeezeit, weil man sich so lange nicht gesehen hat. Und eigentlich hat man keine Zeit, weil man ja noch so viele andere Termine hat. Ist man aber erst mal da, wird die Zeit kurzweilig, weil man sich so lange nicht mehr gesehen hat, weil man so viele Termine hat. Und Schwups, spielt die Zeit keine Rolle.
Ihr sprecht bestimmt auch diese Einladungen zum Kaffee aus, von denen ihr wisst, es wird bestimmt wieder bis in den frühen Abend gequatscht.

Irgendwann nach Keks, Kuchen und Co. stellt sich der Appetit auf etwas Herzhaftes ein. Eine Sache, die schnell vorzubereiten geht, sind die kleinen Schnittchen mit Erbsenpüree.

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1 Paket dünnes Vollkornbrot auch Pumpernickel (gibt es als Kanapee schon vorgeschnitten oder man sticht sie selber in der gewünschten vor aus), 1 Paket Tiefkühlerbsen, 1/2 Bund frische Minze, 1 Becher Creme fraiche, 1 kleines Stück Parmesan, Salz, Pfeffer, 3 Radieschen und/oder 3 Scheiben Schinken

Melsbonheur_erbsenpu_003Die Erbsen nach Anleitung im gesalzenen Wasser garen. Etwas abkühlen lassen, mit Minze, 4 EL Creme fraiche und Parmesan pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Schinken braten bis knusprige Chips entstehen, auf einem Küchentuch trocknen lassen.

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Püree auf die Brotformen verteilen, mit Radieschenstreifen oder Schinkenchips garnieren.
Lässt sich wunderbar vorbereiten und das Erbsenpüree schmeckt übrigens als Beilage zu Lamm einfach himmlisch.

Guten Appetit

Einmal Pizza ohne Hefe oder Galette Caprese

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Bald ist es hoffentlich wieder soweit. Mel im geliebten Frankreich. Wie sehr vermisse ich das ’savoir vivre“, den Chic der Französinnen und das Klirren der Pastis-Gläser in den Bistros. Ok, ich gebe zu, da versteckt sich meine romantische Seite.

Durch einen tollen Zufall und liebe Menschen bin ich auch beruflich soweit gekommen, nun öfter mal Grüße aus meiner Küche zu publizieren. Schaut einfach mal auf meiner beruflichen Facebook-Seite vorbei, dann könnt ihr bald mehr erfahren, wenn Ihr wollt. Aber zurück in meine Küche:

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Mel ist allein zu Hause, dass heißt bitte einmal eine kleine schnelle Portion, die aber bitte trotzdem lecker und mit viel Gemüse. Dazu bietet sich die französische Pizzavariante ‚Galette‘ an. Der Grundteig hat eine tolle Eigenschaft, er braucht nicht ‚gehen‘ und ist mit wenigen Handgriffen belegbar, auch in einer süßen Variante.

Was braucht man dazu?

120 gr Mehl, 6-8 EL Wasser, 1/2 TL Salz, 1/4 TL Backpulver und kaltes Wasser, etwas Olivenöl zum Bestreichen des Randes

Belag: 1 frische Mozarellakugel, 1 Handvoll Cherrytomaten, 3 getrocknete Tomatenstücke, Salz, Pfeffer, Olivenöl, einige Basilikumblätter und Balsamico

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Die Zutaten für den  Teig mit der Hand und vorerst mit 3 Löffeln Wasser vermengen, nun nach und nach restliches Wasser hinzufügen, bis das Ganze eine homogene Masse ergibt. Auf einem Bogen Backpapier mit den Händen plattdrücken und ziehen, bis der Boden ca. 3 mm Dicke hat. Die Form kann ruhig unregelmäßig sein.

Nun den Mozzarella in flache Stücke zupfen und mittig auslegen. Die in Scheiben geschnittenen frischen und getrockneten Tomaten auf dem Mozarella verteilen. Vorsichtig salzen und kräftig pfeffern. Den Rand nun nach innen klappen und mit etwas Öl bestreichen. Bei 200 Grad Ober- und Unterhitze circa. 25 Minuten goldgelb backen lassen.

Lauwarm mit Basilikumblättern und Balsamico servieren. Dazu passt hervorragend ein Glas Rotwein.

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Bon appétit! Lasst es euch schmecken.

Herbst in der Toskana oder Wirsing mit Pasta!

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Ich war Shoppen auf dem Wochenmarkt und zwar für schlappe 0,45 Euro. Dafür habe ich einen ganzen Wirsing und eine Zwiebel erhalten.

Wirsingrouladen gab es sehr häufig in Omas Küche, lange geschmort mit viel Soße und Kartoffelpü. Das Kohlgemüse mochte ich ausnahmsweise sehr gern genauso wie Stielmus. Wo sind all die schönen Gerichte hin?

Geht man ins italienische Restaurant und bekommt im Oktober Panna Cotta mit frischen Erdbeeren serviert, muss man sich ernsthaft fragen, wer hier wen veräppelt. So viel kann man gar nicht mehr aufklären über bewusste Ernährung, bei all dem Angebot auch in den Supermärkten. Aber zurück zu meinen 45 Cent.

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Ich hatte Lust auf Kohlehydrate, so einen richtigen Teller mit dampfenden Nudeln. Gepaart mit einer scharfen, spanischen Salami, meinem Herbstschnäppchen und Erinnerungen an die Toskana im Herbst sollte das Folgendes ergeben:

Nudeln mit Wirsing und Chorizo (4 Personen)

500 gr Pasta (keine Spaghetti), mittelgroßer Wirsing, 1 Zwiebel, 1/2 Chorizokringel, Salz, Pfeffer, Chianti, Olivenöl, Parmesan

Gesalzenes Nudelwasser aufsetzen. Zwiebel und Chorizo klein schneiden. Den Wirsing putzen und ohne Strunk klein rupfen. Zwiebel und Chorizo anbraten, bis das Fleisch Öl lässt. Dann beides aus der Pfanne herausnehmen, aber das Öl nutzen, um den Wirsing darin zu dünsten. Den Wirsing etwas mit dem Rotwein ablöschen.

Nudeln in das kochende Wasser geben. Unbedingt nur ‚al dente‘ kochen. Nun die Nudeln abschütten, bis auf 3 EL vom Nudelwasser. Das Ganze in die Wirsingpfanne geben, die Chorizo und die Zwiebel dazu, mit dem restlichen Nudelwasser kurz zusammen erhitzen.

Abschmecken, mit dem Salz sehr vorsichtig haushalten. Bei Bedarf noch etwas Öl dazu und mit Parmesan servieren.

Guten Appetit!

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Mel auf der Suche nach der verlorenen Zeit oder Madeleines zum Tee!

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Mit dem Drehen am Thermostat der Heizung steigt mein Verbrauch an Tee zu jeder Tageszeit und die Zahl meiner Tagträume in die Sommerzeit zurück. Eines meiner schönsten Sommererlebnisse liegt schon lange Zeit zurück, ungefähr, ach nein, ich sags anders: Mit der Wahl meiner zweiten Fremdsprache, Französisch, tat ich mich anfänglich sehr schwer. Die französische Grammatik wollte nicht in meinen Kopf und Vokabeln lernen war im Englischen schon angesagt, daher war ich sehr faul.

Bis meine Ma auf die Idee kam, mich auf eine abenteuerliche Tour nach Frankreich zu schicken. Mit einer befreundeten französchischen Lehrerfamilie nebst Tochter und Hirtenhund, namens Lautschrift: „Ürsüla“. Mein erster Urlaub mit Wohnwagen noch dazu.

Meine Eltern brachten mich nach Tourcoing und vor dort aus ging es in die Provence, nach Bédoin (das wird eine andere Geschichte) und dann in einen zauberhaften Ort, wo die Großmutter damals ihr „Ferienhaus“ hatte. Dieses Haus hatte 14 (!) Zimmer, 2 Bäder und Eimer auf den Zimmern. Wir trafen dort auf die gesamte französische Familie mit 6 Kindern, sie alle machten Urlaub im Haus. Man kann sich vorstellen, das Platz auch in dieser kleinsten Hütte für alle war.

Was ich nie vergessen werde, ist der Geruch im Treppenhaus, der von der Bäckerei im Erdgeschoss die Treppe hinaufstieg. In dieser Zeit habe ich die frischesten Croissants, besten Baguettes und meine Liebe zu kleinen Madeleines entdeckt.

Dieses Teegebäck bekam erst entsprechende Aufmerksamkeit, als der Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (frz. Originaltitel: „À la recherche du temps perdu„, geschrieben 1908/09 bis 1922 und erschienen zwischen 1913 und 1927) von Marcel Proust bekannter wurde. Proust berichtet dort von seinen Kindheitserinnerungen und die verlorene Zeit, die man für falsche Freunde verwendet. Ein recht trauriges Buch, aber die Madeleines wurden dadurch erst berühmt.

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Neulich habe ich diese Silikonform entdeckt und mich eigentlich gescheut, sie zu kaufen. Ich versuche eigentlich auf überflüssige Küchengeräte zu verzichten, aber Madeleines müssen halt halbmuschelförmig aussehen. Man kann sie natürlich auch in Muffinformen ausbacken, aber dann sind es halt keine echten Madeleines.

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Rezept für Madeleines:

Man braucht ca. 100 gr Butter, 90 gr Weizenmehl, 1 TL Backpulver, 2 Eier, 85 g Vollrohrzucker, fein geriebene Schale einer Biozitrone, Zimt, Vanillemark,  Butter und Mehl für die Form

Zuerst die Form buttern und mehlen, Ofen auf 200 Grad vorheizen, die Butter zerlassen, Mehl und Backpulver vermischen, Eier, Zucker, Zitronenschale, Zimt und etwas Vanillemark extra mischen. Dazu dann das Mehlgemisch geben und zum Schluss mit der flüssigen Butter vermengen. Nach ein paar Minuten das Gemisch sorgfältig in die Form füllen, möglichst bis zu Rand, aber ohne ihn zu bekleckern. Der Rand verbrennt dann zu schnell.

Circa 8 Minuten bei Heißluft backen. Am gleichen Tag zu Tee servieren.

Bon appétit!

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Pfannkuchen im Glas oder warum sind Quitten eigentlich unsexy?

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Freunde mit Gärten und so…ihr wisst schon, da war was. Noch besser ist es, wenn man Freunden junge Bäume schenkt und dann Jahre später Früchte atomarer Größe vor der Haustür liegen hat. Da muss man schon mal nachfragen, um welche Früchte es sich hierbei überhaupt handelt.

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Quitten, diese Dinger, die so hart wie frische Äpfel sind, aber teilweise die Form einer Birne besitzen. Die so unattraktiv sind, weil man sie nicht direkt nach dem Pflücken essen kann, denn dafür sind sie zu hart und zu wenig aromatisch. Die wahnsinnig toll und frisch aussehen und die mich anspornen, mal wieder zu experimentieren.

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Quittenmus mit Grand Marnier und Pfannkuchen aus dem Glas

Man nehme vier große Quitten, wasche sie heiß ab, entferne Strunk und Kerne (die btw sehr darmfreundlich sein sollen) und schneide sie sehr klein. Das Ganze gebe man in einen Topf und fülle auf mit 150 ml Apfelsaft und 80 ml (hüstel) Grand Marnier.

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Jetzt heißt es einkochen lassen und dabei immer mal wieder umrühren, bis die Früchte weich sind. Sehr fein pürieren, 100 Gramm Zucker, 1 TL Essig und Zimt nach Belieben dazu. Noch einmal ca. 15 Minuten einkochen lassen und dann abschmecken.

Nun zu den Pfannkuchen: mein Grundrezept ist immer, 2 Eier, 1 Tasse Milch, 1 Tasse Mehl, 1 Prise Salz, 2 Teelöffelzucker, zum Schluss ein Schuss Mineralwasser.

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Dieses Grundgemisch kann man gut in einer Pfanne als Küchlein ausbacken, oder auch bei 200 Grad in kleinen gefetteten Formen bei Ober- und Unterhitze im Ofen. Die Konsistenz der Pfannkuchen aus dem Ofen erinnert ein bißchen an Poffertjes. Sehr fluffig oben und dann etwas fester am Boden.

Also die Glasvariante macht natürlich etwas mehr her. Abschließend muss ich ja schon sagen, dass es sich bei diesem Rezept eher um die Luxusvariante von Pfannkuchen mit Apfelmus handelt.

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Ibiza oder FEIGE zu sein, nützt auch nichts!

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Ich war ungefähr ein Jahr alt, als ich das erste Mal den Boden der Baleareninsel IBIZA betreten, ähem, bekrabbelt habe. Und das ist ungefähr drölfzig Jahre her (frage nie eine Frau knapp über Vierzig nach ihrem Alter).

Meine Tante nebst Onkel haben sich schon sehr früh in die Insel verliebt. In den Siebzigern war dort noch alles möglich und Eigentum konnte man sich damals noch dort aufbauen. Es bot sich für die beiden an, dort im wahrsten Sinne des Wortes etwas aufzubauen, zumal mein Onkel damals noch die Zechenhäuser eines großen Ruhrpottunternehmens auf Stand hielt und so also von der Materie Bau Ahnung hatte.

So begab es sich, dass zwei Pöttler mit Tochter auf der Insel der Hippies in der Hippiezeit ein kleines Häuschen auf dem Land bauten. Zu dieser Zeit waren Flüge tatsächlich noch unbezahlbar, wir machten uns mit dem Auto auf den Weg nach Barcelona, um von dort aus mit der Fähre übernacht zur Insel zu kommen.

Ich glaube, ich habe mit dem einjährigen Lebensalter schon Ibizenko-Blut erhalten. Seitdem hat mich die Insel vereinnahmt.

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Natürlich ändern sich mit dem Älterwerden auch die Eindrücke der Insel. Erst waren es die endlosen Sandburgen an den Stränden und die Fischlollis (Langusten) aus der Paella sowie die zahlreichen Eissorten der Strandhütte, die mich faszinierten. Dann waren es natürlich die Freiheiten des Nachtlebens. Wo sonst machen Diskotheken erst um 2 Uhr nachts auf und verlagern dann die Party an den Strand? Wo sonst treffen soviel bunte Hühner aufeinander und legen so bekannte DJs auf? Und wo sonst zahlt man sich aus dem Leben, kennt man nicht jemanden, der einen kennt, der preiswerter an die Tickets kam?

Aber das driftet zu sehr nun ab. Eine meiner längsten Erinnerung ist der Weg zum Strand. Dieser war nicht wirklich weit, aber bei vierzig Grad im Schatten und (immer noch) sehr kurzen Beinen erscheint er ewig lang. Ein Highlight auf dem Weg dorthin war ein großer Feigenbaum. Mit Feigen verhält es sich, wie mit Koriander. Man hasst es oder man liebt sie. Mittlerweile liebe ich sie, zumal ich immer seltener in den Genuss komme. Die süßliche, weiche Konsistenz und die nussigen Körner schmecken einfach nach Urlaub.

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Jetzt kann man sie einfach pur vom Baum essen…oder möglichst weich aus dem gut sortierten Obst-und Gemüseregal kaufen. Hier habe ich sie mit Parmesan und einer Vinaigrette zubereitet. Einfach aufschneiden, den Parmesan darüber hobeln und mit einer Vinaigrette aus 1 TL Honig, 1 TL Senf, 1 EL Öl und 1 EL Essig sowie Salz und Pfeffer überträufeln. Vielleicht wird in dieser Variante auch der Korianderhasser zum Feigenliebhaber.

Guten Appetit.Wasserzeichen_Vorlage

Quiche de pêche et nectarine oder was mir alles unter Stress hoch zwanzig nebenher gelingt!

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Nehmen wir einfach mal an, ich würde mitten in den Vorbereitungen für ein Kochbuch stecken, in dieser Woche noch eine öffentliche Großveranstaltung im kleinen Team durchführen, ehrenamtlich in einer Großküche aushelfen und na, ja freiberuflich arbeiten… Man könnte meinen, ich rotiere im Dreieck, bin auf verzweifelter Suche nach meinem dritten und vierten Arm, ziehe mir die Haare aus und bin auf meinen Rollschuhen festgeklebt.

Leute – ich kann so nicht arbeiten. Natürlich nutze ich jede geklaute Minute und begebe mich auf die Suche nach eventuellen kreativen Einfällen. Dazu dient mir der Austausch mit Gleichgesinnten, mit ehemaligen Arbeitskollegen aus der Welt der Werbung, mit Freunden, die mal so ganz andere Themen auf dem Schirm haben und natürlich diesem Ding hier, diesem Internet. So geschehen recht kürzlich. Eine gute Freundin mit sehr nahen französischen, naja, Kontakten kündigt sich spontan an. Ich backe Mels-Blitzschnell-Quiche in abgewandelter Form. Diese hier:

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Fertig -Blätterteig, Eier, Creme fraiche, Tomaten, Zucchini, Ziegenfrisch- und Ziegenkäse, Salz&Pfeffer, Thymian und etwas Honig. 

Jetzt habe ich noch etwas Teig übrig. Was tun? Es kann ja sein, dass sie lieber etwas Süßes mag (trotz neu gestartetem Halbmarathon-Training, Chapeau, liebe Alex, hüstel)

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Ich finde in meinem Oma-Sofie-Küchengerätefundus noch kleine Tortelette-Formen für Mürbeteig-Obst-Naschereien. Diese Böden, die es noch manchmal bei guten Bäckern gibt und die man zB mit Erdbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, ach lassen wir das, das könnte ja bald ein neuer Blog werden.

Auf jeden Fall passen dort noch die restlichen Teigfetzen rein, die ich an der großen Form abgeschnitten habe. Was habe ich noch? Türkischen Joghurt (10 %, ja ihr Diätfanatiker, 10 % Fett-haltigen), einen Hauch Zitronensaft, 1 Ei, Vanillezucker, Grand Marnier und Minze. Schnell verrührt und abgeschmeckt und fingerkuppentief in die Form geben. Nun mit Pfirsich und Nektarinenspalten belegen, in den Ofen bei 200 Grad und ca. 10 bis 15 Minuten backen (reicht bei Miniformen wie diesen).

Servieren mit etwas Vanilleeis und Grand Marnier. Was soll ich sagen? In Schwelgemomenten wie diesen, liebe ich Stress. Und die ganzen anderen Gerichte, die eher semi-lecker sind, weil sie unter Stressbedingungen fabriziert worden sind, verfasse ich noch mal in einem extra Making Of. Das hier bleibt erst mal für lange Zeit die Ausnahme. Bestimmt!

So liebe Alex, sieh zu!!!

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Chutney de prunes (Pflaumen-Chutney) oder die lieben Nachbarn wieder!l

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So, da standen sie wieder, die Eimer. Vor der Haustür. Prachtvoll gefüllt mit purpurfarbenen Köstlichkeiten. Dann waren sie wieder da – die Probleme. Meine. Mit der Verwertung. Viele von Euch werden jetzt denken – gar kein Problem. Es gibt Pflaumenkuchen! Ja, dachte ich auch. Aber wer soll das alles essen????

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Zum Glück habe ich letztens in einer französischen Zeitschrift geblättert und mich an eine Zutat für eine Wildsauce erinnert – ein Pflaumenchutney, frz. Chutney de prunes.

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Bei der Zusammenstellung der Zutaten schossen mir gleich die Tränen in die Augen. Wie so häufig eigentlich (bin sehr nah am Wasser gebaut – emotional halt). Soviel Zwiebeln schnippeln. Habt Ihr Tipps, wie man das Tränenvergießen beim Zwiebelschälen einstellen kann? (Dunstabzughaube lief und Wasserhahn auch. Die Taucherbrille hatte ich vergessen, aufzusetzen.)

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600 g Pflaume(n), entkernt
60 g Ingwer
400 g Zwiebel(n)
Öl
230 g Zucker, braun
Salz
Cayennepfeffer
200 ml Balsamicoessig (Creme geht auch, dann nur den Zucker reduzieren und Saft hinzufügen)

Ein Schuss Cognac und etwas Zimt nach Belieben…

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Zwiebeln grob und Ingwer fein würfeln. In einem Topf mit Öl anschmoren, bis die Zwiebeln glasig sind. Pflaumen dazu und rühren. Den Zucker unter Rühren dazugeben und warten, bis er sich aufgelöst hat. Mit Salz und Pfeffer würzen und dem Balsamico ablöschen. Nun einreduzieren lassen, bis sich die richtige Konsistenz entwickelt hat. Zum Schluss habe ich noch einen Schuss Cognac dazugegeben und nochmals reduziert. Bitte abschmecken.

In sterilisierte Gläser geben. Ihr könnt ganz normale Senf- oder Marmeladengläser nehmen. Die halten am längsten frisch und konservieren gut.

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Chutney ist eine tolle Grundlage für Wildsaucen oder wie hier heut bei mir – zu einem Stück Allgäuer Bergkäse oder Pecorino.

Guten Appetit!

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