Il pane tedesco oder ein bißchen Wehmut!

Nimmt man das italienische Temperament, die wundervollen Lebensmittel, die Lebenseinstellung, ‚la dolce far niente‘ und schließt den Topf mit dem Deckel der aktuellen Corona-Krise, kann man auch nur erahnen, wie es diesem Land momentan geht.

Was bedeutet ein Lockdown für ein Land, dass eh wirtschaftlich gebeutelt ist? Armut, ein Bildungssystem, das sehr zu wünschen übrig lässt, marode Straßen, kein Arbeitsmarkt und eine minimale Rentenkasse, lassen viele Menschen in Italien von der Hand in den Mund leben. Es sei denn, sie leben von Familienersparnissen in Häusern, die vor langen Jahren gekauft wurden. Was aber passiert, wenn man keine Steuern, keine Gebühren für die Entsorgung und kein Geld mehr zum Leben hat? Man verkauft die eigenen Immobilien und Italiens Markt für Mietwohnungen fängt an zu wachsen.

Lockdown über mindestens 6 Wochen – ein straffes Wirtschaftspaket, um die Verluste im Zaum zu halten und viel Geld aus einem umstrittenen Europapaket sollen helfen, was Jahrzehnte verpasst wurde. Es bleibt spannend.

Was machen die Menschen hier damit? Die soziale Bindung ist Teil der Mentalität. Das Leben im großen Familienverbund (weil man alleine auch nicht überlebt, Jung unterstützt Alt und umgekehrt), das Leben in der Bar beim caffé oder apritivo, die unzähligen Restaurants und Pizzabäcker, weil mangiare geht immer, wird auf eine sehr harte Probe gestellt. Die Küsschen und herzlichen Umarmungen innerhalb der Familie und von Freunden zu jeder Gelegenheit, sie fallen von heute auf morgen weg. Kein vino auf dem Marktplatz am Abend, wenn es ab 22 Uhr langsam etwas angenehmer von der Temperatur wird. Kein Einkaufen mit der Familie mehr, kein philosophieren an der Käsetheke mit der Nachbarsfamilie. Keine langen Tafeln in den Gärten, kein lautes „Salute“ mehr.

Ruhiger sind sie geworden, meine italienischen Nachbarn. Sogar die abendlichen Treffen auf den kleinen Marktplätzen gibt es nicht mehr. Alle Omas, Opas und Eltern bleiben zu Hause, sogar die Dorfjugend arbeitet eher im heimischen Garten mit, als auf dem Fußballplatz zu kicken.

Aus jeder Krise wachsen Chancen, das gilt für jedes Land und jede Lebenssituation, auch unsere oder meine. Das italienische Schulsystem reformiert sich, es wird fast schneller digitaler als unseres. Stühle werden auseinandergeschoben, man trifft sich mit Abstand, um neue Projekte zu verfolgen. Ganze Dörfer gründen Selbsthilfegruppen, um ältere Bewohner besser versorgen zu können. Gemeinschaftsgärten werden bewirtschaftet, um sich regionaler versorgen zu können. Denn ja, auch in Italien gibt es holländische Tomaten und teilweise kommt der prosciutto von deutschen Schweinen.

Ich habe etwas das Gefühl, die Italiener ergeben sich nicht mehr so ihrem System und der Politik. Die Lähmung bricht etwas auf und man nimmt einiges selbst in die Hand. Zeit genug, um zu überlegen, hatte man nun reichlich. Das aufgezwungene ‚dolce far niente‘ hat zu lang gedauert.

Ich liebe dieses Land, auch wenn ich mir nicht vorstellen könnte, hier zu leben. Denn eines habe ich erkannt: auch vom eigenen Weinberg und den Tomaten im Garten, der nonna im Haus und der Flasche Olivenöl von den eigenen drei Bäumen kann man nicht leben. Sondern eher von den vielen Ideen, die die Italiener nun haben: Geschäftsgründungen mit regionalen Produkten, altes Handwerk (Holz und Stein) wird eher geschätzt, Schneidereien erleben einen neuen Boom, die Menschen lassen ihre Designerklamotten ändern, anstatt Geld in Billigläden zu lassen. Immer mehr SecondHand-Läden öffnen. Nachhaltigkeit ist der neue Wohlstand.

Fürs Erste freu ich mich über das Lob meiner Nachbarn und dann freue mich für Italien, wenn die Pläne aufgehen und drücke alle Daumen, dass es aufwärts geht…!

Hier das Rezept zum traditionellen Abschiedsessen mit den Nachbarn, alles, was ein deutsch- italienischer Kühlschrank so hergeben kann. Warum „pane tedesco“? Das toskanische Brot wird meist aus Weizenmehl, Wasser und Olivenöl gemacht. Den Brotkranz backe ich mit Vollkornmehl, Salz, etwas Buchweizenmehl, etwas Zucker und Olivenöl. Und das ist in der Toskana schon „deutsche Art“.

Il pane tedesco‘, das nachhaltige Kühlschrank-Aufräum-Rezept:

Gefüllter Brotkranz

Brotteig
1 kg Mehl
6,25 dl lauwarmes Wasser
30 g frische Hefe oder 3 Päckchen (
2 gestrichene EL Meersalz
Mehl zum Bestäuben

In einer grossen Schüssel mit einem Teil vom lauwarmen Wasser die Hefe und den Zucker auflösen. Mehl und Salz beigeben, restliches Wasser dazugiessen. Mit einem Handrührgerät (Knethacken) zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Von Hand noch 1 bis 2 Minuten nachkneten. Zugedeckt bei Raumtemperatur 1 Stunde aufs Doppelte aufgehen lassen.

Füllung
1 Handvoll geschnittene Salamireste
1 Handvoll geschnittene Schinken oder Speckreste
8 grosse Eier, hartgekocht und geschält (kann, muss nicht)
400 g Käse, irgendwelche Reste, die verbraucht werden müssen, etwas Mozzarella geht auch
1 Bund frisches Basilikum oder Rucola
250 g gemischtes vorgegartes oder getrocknetes Gemüse (getrock. Tomaten, geschmorrte Zucchini, Oliven, Auberginen, Karotten uvm.) Salz, Pfeffer und Olivenöl

Den Teig mit Mehl bestäuben und zu einem ungefähr 1 m langen, 20cm breiten und etwa 1 cm dicken Rechteck auswallen. Über die gesamte Länge des Brotteigstreifens die Füllung legen. Ränder ca. 5 cm freilassen. Mit Olivenöl beträufeln, vorsichtig salzen und pfeffern. Den Teig von beiden Längsseiten über die Füllung klappen. Die beiden Enden zu einem Kranz formen. Auf ein mit Backtrennpapier belegtes Backblech legen, nochmals 15 Minuten ruhen lassen, mit Mehl bestäuben und im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad etwa 40 Minuten goldbraun backen. Auskühlen lassen.

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